"Der Wolfgang ist mein Goldstück"

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Neustadt an der Waldnaab ist für viele, vor allem für ältere Menschen, Wolfgang Maier. Seit 18. September 1995 leistet er bei der AWO seinen Zivildienst ab. Daher nennt man ihn häufig auch nur "Zivi".

Für vorraussichtlich 13 Monate wird Wolfgang Maier damit für Frauen und Männer, die sich selbst nicht mehr allein versorgen können, zum wichtigen Ansprechpartner und Helfer. Die AWO ist unter anderen, in zwei Bereichen besonders engagiert: Dem sogenannten "Essen auf Rädern" und dem "Mobilen Sozialen Hilfsdienst".

SPD vor Ort (Quelle und Ortsvereinszeitung - Anm. d. Red.) sprach mit dem Juso Wolfgang Maier über seine Tätigkeit:

 

SPD vor Ort: Wolfgang wie sieht dein Tagesablauf als "Zivi" bei der Arbeiterwohlfahrt in Neustadt eigentlich aus?

Wolfgang: Meine Tätigkeit beginnt gegen 7:30 Uhr. Da mach ich gleich einige Hausbesuche und Besorgungen im Rahmen des Mobilen Sozialen Hilfsdienstes.

Gegen 9 Uhr fahre ich zum Kindergarten der AWO in Altenstadt. Als einer der wenigen Kindergärten im Landkreis bietet dieser eine Ganztagsgruppe mit Mittagessen an. Dort hole ich das schmutzige Geschirr vom Vortag ab und bringe es ins AWO-Seniorenheim Franz Zebisch. Dort wird es gespült und ich nehme es mittags auf dem Rückweg mit neuem Essen für die Kinder wieder mit.

Dann fahre ich zum AWO-Seniorenheim Hans Bauer, spüle dort das Geschirr vom Vortag und stelle für die Menschen, die "Essen auf Rädern" erhalten, das Essen zusammen. Damit bin ich gegen 11 Uhr fertig und fahre dann das Essen aus.

Nachmittags bin ich im Mobilen Sozialen Hilfsdienst unterwegs oder als Hausmeister für den Spielplatz und das AWO-Heim tätig.

 

Was bedeutet eigentlich "Essen auf Rädern" genau?

"Essen auf Rädern" ist eine Einrichtung für alte Menschen, die sich nicht mehr selbst etwas kochen können und keine Verwandten haben, die sie mitversorgen. Sie bekommen von uns täglich eine warme Mahlzeit gegen ein Entgelt von 7,00 Mark pro Essen. Ich bringe ihnen das Essen in die Wohnung. Einige wollen auch nur, dass ich es vor die Tür stelle. Bezahlt wird über Essensmarken.

 

Das ist eine sehr praktische Einrichtung. So können Senioren in ihren Wohnungen und damit vertrauten Umgebung bleiben, auch wenn sie nicht mehr so fit sind. Nehmen denn viele Menschen dieses Angebot an?

Derzeit versorge ich 20 bis 30 Personen. Viele von ihnen nehmen noch den Mobilen Sozialen Hilfsdienst in Anspruch, den die AWO anbietet.

Was ist das für ein Angebot?

Der Mobile Soziale Hilfsdienst steht denjenigen zur Verfügung, die bestimmte notwendige Arbeiten des täglichen Lebens nicht mehr alleine ausführen können oder auch einfach nur einen Ansprechpartner brauchen. Auch das sind meistens ältere Menschen, wie zum Beispiel Frau Müller. Für sie kaufe ich ein, helfe im Haushalt, bringe den Abfall hinunter oder hole etwas aus dem Keller herauf.

 

Hast du das Gefühl, dass du den Menschen bei deiner Tätigkeit wirklich hilfst? Die Wehrdienstbeauftragte der Bundesregierung hat ja behauptet "Zivis" wären lauter Egoisten, die sich vor dem Wehrdienst drücken.

Ich habe schon den Eindruck, etwas Sinnvolles zu tun. Die Senorinnen und Senoren könnten doch gar nicht mehr allein leben.

Ich kann zum Beispiel von einem Vorfall erzählen, der sich erst jüngst ereignet hat. Als ich Frau P. wie jeden Mittag das Essen vor die Tür stellen wollte, stand das Geschirr vom Vortag noch unberührt da. Ich habe sofort bei der Nachbarin geklingelt, die dann die Feuerwehr und Notarzt alamiert hat. Frau P. lag in ihrer Küche auf dem Boden, den Tisch auf sich drauf und konnte sich nicht bewegen. Jetzt liegt sie im Krankenhaus. Wenn nicht so eine regelmäßige Betreuung erfolgen würde, hätte sie vielleicht niemand rechtzeitig gerettet. Ich glaube, dass meine Tätigkeit für die Gesellschaft genauso wichtig ist, wie der Dienst bei der Bundeswehr.

 

Glaubst du denn, dass du die Erfahrungen, die du jetzt als "Zivi" machst, später in deinem Leben gebrauchen kannst?

Ich denke schon. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, später Krankengymnast, Altenpfleger oder ähnliches zu werden. Ich verstehe mit gut mit den Senioren.

 

 

Mit Wolfgang Maier sprach Erika Schulze. (Quelle: SPD vor Ort - Ortsvereinszeitung)